Plötzlich unverträglich? Was sich in der
Perimenopause verändern kann

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Jahrelang war ein Glas Wein zum Essen kein Problem. Käse, Tomaten, Schokolade oder Milchprodukte gehörten ganz selbstverständlich dazu. Und irgendwann verändert sich etwas. Nach dem Wein kommt plötzlich Herzklopfen. Der Bauch reagiert auf Lebensmittel, die man früher problemlos vertragen hat. Die Haut wird unruhig oder man wacht morgens auf und fühlt sich aufgedunsen und verquollen. Gerade in der Perimenopause berichten Frauen von solchen Veränderungen. Schnell fällt dann der Begriff Histamin und ebenso schnell entsteht die Erklärung, die Hormone seien schuld. Ganz so einfach ist es nicht. Trotzdem gibt es interessante Zusammenhänge.

Verträglichkeit ist nicht für immer gleich

Wir gehen häufig davon aus, dass unser Körper Lebensmittel, die er jahrelang vertragen hat, auch weiterhin problemlos verarbeiten müsste. Doch unser Körper verändert sich. Verdauung, Enzymaktivität und Immunsystem können sich im Laufe des Lebens verändern. Medikamente, Erkrankungen, Alkohol, Ernährung und weitere Faktoren können ebenfalls beeinflussen, wie wir auf bestimmte Lebensmittel reagieren.

Und dann sind da noch die Hormone. In der Perimenopause verändert sich der Hormonhaushalt erheblich. Östrogen nimmt dabei nicht einfach gleichmäßig ab, sondern kann zeitweise stark schwanken. Diese Veränderungen beschränken sich nicht auf Zyklus, Hitzewallungen oder Schlaf. Sexualhormone wirken an vielen Stellen unseres Körpers und stehen unter anderem mit dem Nervensystem, dem Immunsystem und dem Verdauungstrakt in Verbindung.

Was Östrogen mit Histamin zu tun hat

Histamin ist zunächst einmal nichts Schlechtes. Es ist ein körpereigener Botenstoff und erfüllt wichtige Aufgaben. Ein großer Teil des Histamins im Körper wird in Mastzellen gespeichert. Diese Zellen gehören zu unserem Immunsystem und befinden sich unter anderem in der Haut, im Verdauungstrakt und in der Nähe von Blutgefäßen.

Interessant ist, dass Mastzellen auch auf Östrogensignale reagieren können. Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass insbesondere Estradiol ihre Aktivität beeinflussen und unter bestimmten Bedingungen die Freisetzung von Botenstoffen fördern kann. Eine Verbindung zwischen Sexualhormonen, Mastzellen und Histamin ist damit biologisch durchaus plausibel.

Was wir daraus allerdings nicht machen dürfen, ist eine einfache Gleichung. Schwankendes Östrogen bedeutet nicht automatisch schwankendes Histamin und damit eine Histaminintoleranz. Dafür ist die wissenschaftliche Datenlage nicht ausreichend und unser Körper zu komplex. Es ist jedoch möglich, dass hormonelle Veränderungen bei manchen Frauen ein Teil einer veränderten Reaktionslage sind.

Warum sind plötzlich Rotwein, Käse oder Tomaten unverträglich?

Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn die Reaktion auf ein Lebensmittel verrät uns noch nicht, worauf der Körper tatsächlich reagiert. Gereifte und fermentierte Lebensmittel können beispielsweise Histamin und andere biogene Amine enthalten. Alkohol bringt weitere Faktoren mit sich und kann zudem den Histaminstoffwechsel beeinflussen.

Herzklopfen nach einem Glas Rotwein bedeutet deshalb nicht automatisch Histaminintoleranz. Beschwerden nach Käse bedeuten ebenso wenig automatisch, dass Milch das Problem ist. Das gleiche Lebensmittel kann aus ganz unterschiedlichen Gründen Beschwerden auslösen.

Laktose ist eine andere Geschichte

Bei einer Laktoseintoleranz geht es nicht um Histamin, sondern um Milchzucker. Damit unser Körper Laktose verdauen kann, benötigt er im Dünndarm das Enzym Laktase. Ist davon nicht genügend vorhanden, gelangt ein Teil der Laktose unverdaut in den Dickdarm und kann dort beispielsweise Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall verursachen.

Eine Laktoseintoleranz kann sich auch erst im Erwachsenenalter bemerkbar machen. Dass die hormonellen Veränderungen der Perimenopause unmittelbar eine Laktoseintoleranz verursachen, ist bislang jedoch nicht ausreichend belegt.

Und Casein?

Casein ist wiederum etwas völlig anderes. Es gehört zu den wichtigsten Eiweißen der Milch. Eine echte Kuhmilcheiweißallergie ist eine Reaktion des Immunsystems und muss von einer Laktoseintoleranz unterschieden werden.

Daneben gibt es Menschen, die Beschwerden nach Milchprodukten beobachten, obwohl weder eine klassische Allergie noch eine Laktoseintoleranz festgestellt wurde. Der häufig verwendete Begriff „Caseinintoleranz“ ist medizinisch allerdings nicht so eindeutig definiert wie die Laktoseintoleranz.

Gerade bei Milchprodukten lohnt es sich deshalb, genauer hinzuschauen. Macht Milch Beschwerden? Gereifter Käse? Nur größere Mengen? Oder gibt es Tage, an denen dasselbe Lebensmittel problemlos funktioniert? Diese Unterschiede können wichtige Hinweise geben.

Manchmal darf der Körper erst einmal entlastet werden

Wenn ein bestimmtes Lebensmittel immer wieder Beschwerden auslöst, muss man es nicht um jeden Preis weiter essen. Ein zeitlich begrenztes Weglassen kann sinnvoll sein. Es schafft zunächst Ruhe und kann gleichzeitig helfen herauszufinden, ob tatsächlich ein Zusammenhang mit diesem Lebensmittel besteht.

Dabei sollte aus einigen problematischen Lebensmitteln jedoch nicht automatisch eine immer längere Verbotsliste entstehen. Nach einer gewissen Zeit kann geprüft werden, ob kleine Mengen wieder vertragen werden. Bei Verdacht auf eine Allergie oder nach stärkeren Reaktionen sollte eine solche Wiedereinführung fachlich begleitet werden.

Während dieser Zeit lohnt es sich außerdem, nicht ausschließlich darauf zu schauen, was vom Teller verschwindet. Mindestens genauso interessant ist die Frage, was sich im Hintergrund verändert hat.

Darm, Nährstoffe und das größere Bild

Bei länger anhaltenden oder neu auftretenden Beschwerden kann eine medizinische Abklärung sinnvoll sein. Je nach Situation können Blutuntersuchungen Hinweise auf bestimmte Nährstoffmängel oder andere Auffälligkeiten geben. Werden tatsächlich Mängel festgestellt, können diese gezielt ausgeglichen werden.

Auch der Darm kann Teil des Gesamtbildes sein. Verdauung, Darmschleimhaut, Mikroorganismen und Immunsystem stehen in einem komplexen Austausch miteinander. Gerade rund um die Wechseljahre wird untersucht, ob und wie Sexualhormone und Darmmikrobiom miteinander interagieren. Die bisherigen Ergebnisse sind allerdings nicht einheitlich. Wir wissen noch nicht genug, um aus Veränderungen des Darmmikrobioms auf hormonbedingte Beschwerden schließen zu können. Deshalb halte ich wenig davon, den Darm einfach nach einem allgemeinen Schema „aufzubauen“. Welche Unterstützung sinnvoll sein kann, hängt von der individuellen Situation ab.

Wie betrachtet die TCM eine Lebensmittelunverträglichkeit?

Die Traditionelle Chinesische Medizin schaut aus einer anderen Perspektive auf Ernährung und Verträglichkeit. Dabei steht weniger die Frage im Vordergrund, welches einzelne Lebensmittel „schuld“ ist. Entscheidend ist vielmehr, wie gut der Organismus Nahrung aufnehmen, umwandeln und weiterverarbeiten kann.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Mitte mit den Funktionskreisen Milz und Magen. Diese Begriffe entsprechen nicht einfach den anatomischen Organen, wie wir sie aus der westlichen Medizin kennen. Sie beschreiben innerhalb der TCM funktionelle Zusammenhänge. Ist die Mitte aus Sicht der TCM geschwächt, können Nahrung und Flüssigkeiten weniger gut verarbeitet werden. Beschwerden wie Völlegefühl, Blähungen, Müdigkeit nach dem Essen, weicher Stuhl oder ein Gefühl von Schwere können in dieses Muster passen.

Auch der Begriff Feuchtigkeit spielt dabei eine Rolle. In der TCM beschreibt er ein bestimmtes energetisches Muster, das sich unter anderem durch Schweregefühl, Verdauungsbeschwerden oder eine Neigung zu Schwellungen zeigen kann. Gerade in der Perimenopause wird das Bild noch komplexer. In der chinesischen Medizin wird diese Lebensphase unter anderem im Zusammenhang mit Veränderungen des Funktionskreises Niere sowie von Yin, Yang und Essenz betrachtet. Gleichzeitig können Leber, Mitte und andere Funktionskreise beteiligt sein.

Das bedeutet nicht, dass sich eine Histaminintoleranz oder Laktoseintoleranz mit einer TCM Diagnose erklären lässt. Es ist eine andere Betrachtungsweise. Statt nur das einzelne Lebensmittel anzuschauen, wird gefragt, welches Muster sich im gesamten Menschen zeigt und was sich im Laufe der Zeit verändert hat.

Wo die APM-Therapie bei einer Unverträglichkeit ansetzt

Dieser ganzheitliche Blick findet sich auch in meiner Arbeit mit der APM-Therapie wieder. Eine Unverträglichkeit wird dabei nicht über einzelne Meridiane diagnostiziert oder behandelt. Mich interessiert vielmehr, wie sich die gesamte Situation im energetischen System zeigt. Wo besteht Spannung? Wo zeigt sich ein Ungleichgewicht? Wie reagiert der Körper insgesamt und wo kann Regulation unterstützt werden?

Dabei können unterschiedliche Perspektiven nebeneinanderstehen. Eine medizinische Abklärung kann zeigen, ob beispielsweise eine Laktosemalabsorption, eine Allergie, ein Nährstoffmangel oder eine andere Erkrankung vorliegt. Die chinesische Medizin betrachtet funktionelle und energetische Muster. Die APM-Therapie richtet den Blick auf das Meridiansystem und die Regulation des gesamten Körpers.

Für mich müssen sich diese Sichtweisen nicht ausschließen. Sie betrachten den Menschen lediglich aus unterschiedlichen Richtungen.

Vitalpilze als ergänzende Möglichkeit

In meiner Arbeit setze ich ergänzend auch Vitalpilze ein. Dabei geht es für mich nicht darum, mit einem bestimmten Pilz eine bestimmte Unverträglichkeit zu beseitigen. Vitalpilze enthalten eine Vielzahl biologisch aktiver Substanzen. Dazu gehören unter anderem Beta Glucane, deren mögliche Wirkungen auf das Immunsystem Gegenstand wissenschaftlicher Forschung sind.

Für konkrete Beschwerden wie Histaminprobleme oder neu auftretende Lebensmittelunverträglichkeiten reicht die wissenschaftliche Evidenz bislang nicht aus, um daraus allgemeingültige Behandlungsempfehlungen abzuleiten.

Ich sehe Vitalpilze deshalb als eine mögliche ergänzende Unterstützung, die individuell ausgewählt werden sollte. Dabei ist für mich die Qualität besonders wichtig. Herkunft und Verarbeitung sollten nachvollziehbar sein. Ebenso sollte klar sein, welcher Teil des Pilzes verwendet wird und wie das Produkt auf mögliche Verunreinigungen kontrolliert wird. Auch hier gilt: Mehr ist nicht automatisch besser.

Was hat sich verändert?

Wenn ein Lebensmittel plötzlich Beschwerden verursacht, richtet sich unsere Aufmerksamkeit verständlicherweise zuerst darauf: Was vertrage ich nicht mehr? Mindestens genauso interessant finde ich jedoch eine andere Frage: Was hat sich verändert, dass mein Körper heute anders darauf reagiert als früher?

Vielleicht spielen Hormone eine Rolle. Vielleicht Histamin. Vielleicht hat sich die Verdauung verändert oder die Aktivität eines Enzyms. Vielleicht besteht ein Nährstoffmangel. Vielleicht zeigt sich aus Sicht der chinesischen Medizin eine Veränderung der Mitte oder ein anderes energetisches Muster. Und manchmal kommen mehrere Dinge zusammen.

Gerade die Perimenopause macht deutlich, wie dynamisch unser Körper ist. Deshalb kann es sinnvoll sein, ein unverträgliches Lebensmittel für eine gewisse Zeit wegzulassen und den Körper damit zunächst zu entlasten. Gleichzeitig lohnt es sich, genauer hinzuschauen, anstatt sich dauerhaft von immer mehr Lebensmitteln zu verabschieden.

Neu auftretende oder stärkere Beschwerden wie ausgeprägtes Herzrasen, Atemprobleme, deutliche Schwellungen, anhaltende Verdauungsbeschwerden oder stärkere Hautreaktionen gehören medizinisch abgeklärt. Denn am Ende geht es nicht darum, möglichst viele Lebensmittel zu vermeiden. Es geht darum, besser zu verstehen, unter welchen Bedingungen der eigene Körper gerade reagiert und was ihm helfen kann, wieder mehr Stabilität zu finden.

Wissenschaftliche Quellen

Maintz L, Novak N. Histamine and histamine intolerance. American Journal of Clinical Nutrition. 2007. 

Comas Basté O et al. Histamine Intolerance: The Current State of the Art. Biomolecules. 2020. 

Zaitsu M et al. Estradiol activates mast cells via a non genomic estrogen receptor alpha and calcium influx. Molecular Immunology. 2007. 

Saravinovska K et al. The impact of estrogen status on the gut microbiome: a systematic review and meta analysis. Frontiers in Endocrinology. 2026. 

Stier H et al. Immune modulatory effects of dietary Yeast Beta 1,3/1,6 D glucan. Nutrition Journal. 2014. 

Hinweis: Die beschriebenen Konzepte aus TCM und APM Therapie sind komplementärtherapeutische Modelle und nicht mit schulmedizinischen Diagnosen gleichzusetzen. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine medizinische Diagnose oder Behandlung. Neu auftretende, starke oder anhaltende Beschwerden sollten medizinisch abgeklärt werden.

Über die Autorin

Ich bin Komplementärtherapeutin mit Branchenzertifikat OdA KT und spezialisiert auf die APM-Therapie. Seit über 15 Jahren begleite ich Menschen, deren Körper schon lange versucht, sich selbst zu regulieren. Mein Blick richtet sich auf Zusammenhänge. Auf das Zusammenspiel von Körper, Geist und Ernährung. Nicht mit schnellen Lösungen sondern das, was den Körper wieder in Ordnung kommen lässt. 

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